Warum sind gelbe Farbtöne so widerspenstig?

Gelb ist aus der industriellen Produktion nicht wegzudenken – man denke nur an die Vielfalt gelber Biersorten. Doch genau dieser Farbton bereitet in der Inline-Farbmetrik seit jeher Kopfzerbrechen: Wiederholte Messungen desselben gelben Objekts liefern oft stark abweichende Ergebnisse – insbesondere, wenn die Messungen zeitlich auseinanderliegen, etwa um mehrere Tage oder Wochen. Warum das so ist, blieb bislang weitgehend ungeklärt.

Im Rahmen des Forschungsprojekts Zero3, das unter anderem Innovationen in der Farbmessung vorantreibt, ist dem Unternehmen i-RED nun ein entscheidender Schritt zur Erklärung dieses Phänomens gelungen.

Die Ursache liegt in den Unzulänglichkeiten der eingesetzten Messtechnik: Nach den Gesetzen der Optik erscheint ein Körper unter Weißlicht (z.B. Sonnenlicht) genau dann gelb, wenn er violette Lichtanteile – also seine Komplementärfarbe – absorbiert. Damit ein Farbmesssystem Gelbtöne zuverlässig erfassen kann, ist daher auch im violetten Bereich bzw. an der Grenze zum Ultravioletten (UV) ein starkes Messsignal erforderlich. Dies wird technisch nur erreicht, wenn in diesem kurzwelligen Bereich die verwendete Lichtquelle ausreichend stark und der Detektor des Messsystems empfindlich genug ist. Ist nur einer dieser beiden Faktoren nicht erfüllt, überlagert das Rauschen des Messsystems die tatsächlichen Farbwerte, was zu ungenauen, nicht reproduzierbaren Ergebnissen führt.

Die Erkenntnis aus dem Zero3-Projekt ist daher ein wichtiger Hinweis für die Praxis: Abweichungen bei Gelbtönen sind nicht immer auf Produktionsfehler zurückzuführen. Vielmehr können sie durch technische Limitierungen des verwendeten Inline-Spektralphotometers verursacht werden.

Ein genauer Blick auf die eingesetzte Messtechnik lohnt sich – besonders, wenn es um die präzise Kontrolle eines scheinbar einfachen, aber in Wahrheit hochkomplexen Farbtons wie Gelb geht.